Sonnenschutz für Industrie und Gewerbe: Systeme, Materialien und Arbeitssicherheit

Sonnenschutzlösungen für Industrie und Gewerbe

Für Unternehmen stellen starke Sonneneinstrahlung, Blendeffekte und Hitze im Außenbereich eine erhebliche Herausforderung dar. Sie beeinträchtigen nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern auch den Erhalt von Materialien und Maschinen. Moderne Sonnenschutzsysteme aus technischen Textilien schaffen Wohlfühlzonen, die Kunden zum Verweilen einladen und Mitarbeiter motivieren, oder dienen als effiziente Barrieren gegen schädliche UV-Strahlung.

Sonnenschutz für Industrie und Gewerbe: Systeme, Materialien und Arbeitssicherheit
© Segelmacherei Z-LINE (CC BY-SA 4.0)

Anbieter wie Sitrag bieten individuelle Beschattungslösungen nach Mass für Gewerbe, Gastro und Industrie – von fest montierten Sonnensegeln ab Fr. 5'500 bis hin zu mobilen Roll- und Raffsegeln für Cafés, Biomärkte oder Velowerkstätten. Dabei werden auch grosse Freiflächen durch spezielle Seilspanntechniken realisierbar. Mit über 25 Jahren Erfahrung und mehr als 1.000 Installationen lassen sich selbst komplexe Gebäudeecken durch sogenannte Negativecken beschatten.

Fest montierte Systeme und Membranbauten

Fest montierte Sonnensegel bringen Ferienstimmung für die ganze Saison. Formen und Segelkombinationen lassen sich perfekt auf die Gebäudesituation anpassen. Mit der Wahl des Materials bestimmen Anwender Funktionen wie Regenschutz, Sonnenschutz oder Kühlungseffekt. Gewebe und Stützen sind in beliebigen Farben lieferbar, wobei die Stützen feuerverzinkt oder pulverbeschichtet erhältlich sind.

Der Membranbau eröffnet in der Industrie ungeahnte Möglichkeiten: Große Spannweiten, futuristische Formen und beeindruckende Konstruktionen werden Realität. Die transluzenten Eigenschaften der Membranen erzeugen eine natürliche und blendfreie Beleuchtung im Innenraum, was den Energiebedarf für künstliche Beleuchtung reduziert. Gleichzeitig bieten die Membranen eine hervorragende Wärmedämmung und tragen zur Nachhaltigkeit bei, während sie gleichzeitig die Wärmebelastung reduzieren und Energiekosten senken. Technische Textilien hierfür sind je nach Wahl robust, wetterbeständig, UV-stabilisiert, nicht brennbar und feuerbeständig.

Mobile und flexible Beschattung

Für temporäre oder saisonale Anforderungen bieten sich mobile Lösungen an. Rollsegel und Raffsegel ermöglichen eine flexible Nutzung von Aussenbereichen. Diese Systeme lassen sich bei Bedarf einfach ein- und ausfahren und sind besonders für Gewerbetreibende interessant, bei denen sich das Verweilen der Gäste direkt auf den Umsatz auswirkt.

Materialien und technische Gewebe

Die Auswahl des richtigen Materials ist entscheidend für die Funktionalität und Lebensdauer von Sonnenschutzsystemen. Je nach Anforderung an Witterungsbeständigkeit, Lichtdurchlässigkeit und Brandschutz kommen unterschiedliche beschichtete Gewebe und Folien zum Einsatz.

Luft- und wasserdurchlässige Gewebe

Das Material „Soltis“ ist ein feinmaschiges Netz, das luft-, wasser- und lichtdurchlässig ist – ideal für leichte Sommersegel mit Kühlungseffekt durch Luftzirkulation. Ähnlich funktionieren Meshgewebe aus PVC oder PTFE sowie Tentmesh aus HDPE, die wind- und wasserdurchlässig sind und je nach Öffnungsgrad einen optimalen Kompromiss aus Sonnenschutz, Sichtschutz und Durchsicht bieten. Tentmesh verhindert die Bildung von Wassersäcken bei Regen, ist PVC-frei und absorbiert 91–98% der UV-Strahlen.

Wasserdichte und robuste Beschattung

„Weather Max“ dagegen ist luft- und wasserdicht (bis zu 800 mm Wassersäule) und bietet mehr Schutz bei Wind und Regen. Polyestergewebe mit PVC-Beschichtung (teilweise mit PVDF- oder TiO2-Lackierung versehen) sind flexibel, schwer entflammbar (B1 nach DIN 4102) und für dauerhafte Außenanwendungen geeignet. Sie weisen eine Lichtdurchlässigkeit von 5–10% auf und sind durch Spinndüsengefärbung farbecht und schmutzabweisend.

Hochleistungsmaterialien: PTFE und ETFE

Bei erhöhten Anforderungen an den Brandschutz bis hin zur Nichtbrennbarkeit (A2 nach EN 13501-1) und Temperaturen von -170°C bis +260°C kommen PTFE-beschichtete Glasgewebe zum Einsatz. Diese zeichnen sich durch exzellente Antihafteigenschaften, nahezu selbstreinigende Oberflächen und hohe Reißfestigkeit aus. Ein prominentes Beispiel ist das Centre Pompidou in Metz, das ein mit PTFE beschichtetes Glasfasergewebe überspannt.

ETFE-Folien (Ethylen-Tetrafluorethylen) ermöglichen transparente Konstruktionen für Dächer und Fassaden. Sie weisen eine Lichtdurchlässigkeit von über 90% auf, sind schwer entflammbar (B1) und erreichen eine Nutzungsdauer von 25 bis 35 Jahren. Aufgrund ihrer mechanischen Eigenschaften werden sie oft als luftgestützte Kissen (Pneus) eingesetzt, wobei durch Mehrfachlagen U-Werte von 2,94 W/m²K (2-Lagen) bis 1,1 W/m²K (5-Lagen) realisierbar sind.

Stoffeigenschaften im Überblick

EigenschaftOlefinTentmeshSilikon-Glasgewebe
MaterialPolypropylen/PolyethylenHDPE-NetzgewebeGlasfaser mit Silikon
Temperaturbereich–30°C bis 70°C–50°C bis +200°C
WasserverhaltenWasserabweisendWasserdurchlässigWasserdicht
UV-SchutzUPF 50+ (98% Blockung)91–98% AbsorptionFiltert UV-B, lässt UV-A für Pflanzenwachstum durch
LebensdauerLanglebig, farbechtSehr langlebig>30 Jahre
PflegeWaschbar bei 30–40°CLauwarmes WasserSchmutzabweisend

Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit

Sonnenschutz ist ein wesentlicher Bestandteil des Arbeitsschutzes für Beschäftigte, die ihre Tätigkeit im Freien ausüben. Besonders gefährdet sind Menschen in Forstwirtschaft, Garten- und Landschaftsbau sowie im Hochbau.

UV-Strahlung: Risiken und Schutzfaktoren

Ultraviolette Strahlung ist elektromagnetische Strahlung mit Wellenlängen von ca. 380 nm bis 100 nm. Während UV-C durch die Erdatmosphäre weitgehend herausgefiltert wird, dringen UV-A (380–315 nm) und UV-B (315–280 nm) bis zur Erdoberfläche vor. UV-A dringt bis auf die Lederhaut vor und beschleunigt die Hautalterung sowie das Risiko von malignen Melanomen. UV-B ist für Sonnenbrand und die Bildung von weissem Hautkrebs (Basalzellkarzinome, Plattenepithelkarzinome) verantwortlich. Eine Ausdünnung der Ozonschicht kann die UV-Strahlung gefährlich verstärken.

Die Eigenschutzzeit der Haut – die Zeit, die man ungeschützt in der Sonne verbringen kann, ohne Rötungen zu erleiden – liegt bei sehr heller Haut oft unter 10 Minuten. Durch sogenanntes „Abhärten“ kann sich der Eigenschutz maximal auf das Niveau eines Lichtschutzfaktors 2 steigern, was nach wie vor unzureichend ist.

Seit 2015 sind multiple aktinische Keratosen und Plattenepithelkarzinome als Berufskrankheit (BK-Nr. 5103) anerkannt – nach der Lärmschwerhörigkeit die zweithäufigste Berufskrankheit in Deutschland. Arbeitgeber sind verpflichtet, Beschäftigten mit regelmässiger Freilufttätigkeit von einer Stunde oder mehr täglich arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten und geeignete persönliche Schutzausrüstung bereitzustellen.

Normen und Standards für UV-Schutztextilien

Bei Textilien wird der UPF (Ultraviolet Protection Factor) angegeben, der vergleichbar ist mit dem Lichtschutzfaktor (LSF) von Sonnencremes. Der UV STANDARD 801 stellt die höchsten Anforderungen: Hier werden Textilien im Originalzustand, nass und gedehnt getestet. Der niedrigste erreichte Wert wird zum Ergebnis genommen. Mögliche UPF-Werte sind 10, 15, 20, 30, 40, 60 oder 80.

Die europäische Norm EN 13758 und die australisch/neuseeländische Norm AS/NZS 4399 testen die UV-Schutzeigenschaften im Neuzustand. Je nach Ergebnis wird der Schutz mit „Minimum“ (UPF 15), „Gut“ (UPF 30) oder „Ausgezeichnet“ (UPF 50+) ausgewiesen.

Für den Augenschutz gilt: Brillen nach EN 170 schützen vor UV-Strahlung im Bereich 210–365 nm (UV-A, UV-B, UV-C), während EN 172 Sonnenschutzfilter für den UV-Bereich 280–380 nm mit betrieblicher Eignung definiert.

Planung, Fertigung und Service

Die Realisierung von Sonnenschutzprojekten erfordert präzise Planung und fachkundige Umsetzung.

CAD-gestützte Entwicklung und moderne Produktion

Mittels CAD-Programmen werden elegante Formen entwickelt und einleitende Kräfte exakt berechnet. Dank CAD-gesteuerter Produktion erhält jedes Segel-Unikat seine perfekte Form und größtmögliche Schattenfläche. Modernste Produktionsanlagen mit Schneiderobotern, die direkt mit CAD-Daten beliefert werden, garantieren höchste Qualität bei attraktiven Kosten. Jede Form oder Formkombination – auch Doppel- und Mehrfachsegel – ist möglich, ebenso spezielle Konstruktionen wie Negativecken zur Beschattung um Gebäudeecken.

Das Fraunhofer ISE entwickelt zudem optisch-funktionale Oberflächen wie MorphoColor® für die Photovoltaik sowie Solar-Control- und Low-Emissivity-Coatings für energieeffiziente Gebäude. Auf Sputteranlagen können Beschichtungen bis zu einer Größe von 6 m x 1,5 m durchgeführt werden.

Wartung, Reparatur und Winterservice

Professionelle Sonnensegelsysteme sind für eine lange Lebensdauer ausgelegt, dennoch können Reparaturen notwendig werden – etwa bei mechanischen Beschädigungen durch Vandalismus, Feuerwerk oder Brandlöcher. Spezialisierte Werkstätten führen solche Reparaturen zeitnah durch, wobei Segel in die Werkstatt gebracht werden können.

Für den optimalen Komfort bieten Anbieter Winterservices an: Diese umfassen die Demontage und Prüfung der Komponenten vor Ort im Herbst, die Reinigung in der Werkstatt, die Einlagerung sowie den Ersatz von Komponenten und die Neumontage im Frühling. Fest montierte Segel erhalten ihre Spannung über ein umlaufendes Randseil, das zu Wartungszwecken bei den Randseiltaschen gelöst werden kann.